Predigt von Moderator Werner Schmid (Gemeinschaft vom heiligen Josef, Kleinhain bei St. Pölten) zum 40-jährigen Priesterjubiläum von Hw. Herrn Pfarrer Alfred Hohensinn in der Klosterkirche in Auerbach am 5. Juli 2009

Lieber Hochwürdiger Herr Jubilar,

liebe Mitbrüder,

liebe ehrwürdige Schwestern,

liebe Gläubige!

Am 29. Juni 1969 hat Ihnen, lieber hochwürdigster Herr Jubilar, Bischof Zauner im Mariendom zu Linz die Hände aufgelegt und Sie zum Priester geweiht. Und heute, vierzig Jahre später, wollen wir mit Ihnen erneut Gott danken für die geschenkte Erwählung und für das Wirken seiner Gnade.

Gerade in einer Zeit, die gekennzeichnet ist von der Unverbindlichkeit und vom Geschmack des Augenblicks ist es gut, ein Jubiläum zu feiern und dafür Zeugnis abzulegen, daß die Treue Gottes bleibt. Denn Gott nimmt nie zurück. Es ist gut, das Jubiläum einer Ehe zu feiern und auch das Jubiläum einer Ordensberufung; und es ist auch gut, zu danken für das geduldige Ausharren und Wirken eines Priesters im Weinberg des Herrn.

Es ehrt die Schwestern hier im Mutterhaus, wenn sie sich ganz spontan dazu bereit erklärten, den festlichen Rahmen zu bereiten. Damit zeigen sie nicht nur ihre Dankbarkeit  gegenüber der Person ihres ehemaligen Hausgeistlichen, sondern auch ihre allgemeine Wertschätzung für den priesterlichen Dienst. Denn es ist ein Dienst, der nicht nur für eine Schwesterngemeinschaft unverzichtbar ist, sondern auch für die Heiligung jedes einzelnen Getauften und somit für den gesamten mystischen Leib der Kirche.

Christus wurde vom Vater in die Welt gesandt, um die Menschen vom Tod zu erlösen und damit alle, die glauben, durch ihn zum ewigen Leben gelangen. Um dieses Heilswerk fortzusetzen und lebendig zu halten, hat Christus Apostel und Jünger erwählt und ihnen den Sendungsauftrag des Vaters übertragen: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch ... geht hinaus in die ganze Welt und verkündet allen das Evangelium.“

Wenn daher die Frage gestellt: Was ist der Priester? Wer ist der Priester? so lautet die allererste Antwort: Der Priester ist ein Gesandter. Er handelt für Christus – in seinem Namen, in seinem Auftrag und mit seiner Vollmacht. Er hat kein eigentliches Privatleben mehr. Der Priester ist durch die Weihe berufen, Christus in der Welt darzustellen, ihn zu vertreten und die Liebe des guten Hirten sichtbar zu machen und den Menschen zu bringen. Priestertum ist deshalb nicht Herrschaft und nicht Rang, sondern Dienst. Heiliger Dienst vor Gott und heiliger Dienst am Volk Gottes. Wir sollten den Priester deshalb nicht zuerst danach beurteilen, ob er modern ist, ob er elegant redet, ob er einen Sinn hat für das Aktuelle, ob er ein guter Organisator ist oder ein sympathischer Mensch – das alles kann sehr wichtig sein, und wenn es fehlt sehr schmerzlich –, sondern zuerst steht auf der Stirn jedes Priesters: heilig dem Herrn. Denn er ist geweiht für Christus und für seine heilige Kirche.

Gewiß, der Priester ist für die Menschen da. Aber er steht im Dienst des Herrn, eingesetzt zum Dienst vor Gott. Er ist Diener Gottes. Und nur dadurch dient er auch zugleich den Menschen. Wenn das vergessen wird, wenn diese Reihenfolge nicht mehr stimmt, stimmt sein Dasein nicht mehr und alles andere wird falsch.

Auch der Arzt ist für die Menschen da, auch die Krankenschwester und der sozial Engagierte. Aber der Dienst des Priesters am Menschen und für den Menschen ist anderer Art: Er geschieht wesentlich durch seinen Dienst vor Gott. Durch die tägliche Darbringung des heiligen Opfers, durch die Verwaltung der Gnadengaben und der Sakramente und durch die Verkündigung des Wortes Gottes. Dadurch dient er den Menschen. Und zwar auf eine Weise, wie es niemand sonst auf der Welt tun kann.

Unsere Zeit hat heute ein gutes Gespür für das Echte und Wahre. Nicht der „mystisch Unnahbare“ ist gefragt, sondern der schlichte und glaubwürdige Zeuge. Darauf beruht ja auch die ganze Anziehungskraft eines heiligen Pfarrers von Ars.

Auf dem Konzil hat die Kirche in seinen Dokumenten ganz klar aufgezeigt, was der Priester ist und wie er sein soll:

Es heißt dort wörtlich: „Die Priester werden von Gott durch den Bischof geweiht... Ihre ganze Kraft schöpfen sie aus dem Opfer der hl. Messe... Ihr Dienst verlangt in besonderer Weise, daß sie sich der Welt nicht gleichförmig machen... Niemals sollen sie ihre eigenen Gedanken vortragen, sondern immer Gottes Wort lehren... Besonders muß ihnen am Herzen liegen, durch das Zeugnis ihres eigenen Lebens, den Gläubigen die Erhabenheit und Notwendigkeit des Priestertums vor Augen zu stellen... Jeder Priester vertritt Christus, an dessen Stelle ers steht... Die hl. Messe ist Mitte und Wurzel des ganzen priesterlichen Lebens... Das hl. Meßopfer ist die vornehmliche Aufgabe des Priesters, die tägliche Feier daher dringend empfohlen, auch wenn keine Gläubigen anwesend sind... Der Priester soll sich in der hl. Messe selbst täglich ganz Gott darbringen...“

Das ist alles Konzil. So sieht die Kirche ihre Priester.

Freilich, es kann durchaus sein, daß dabei der eine oder andere Priester ein armseliger Mensch ist, halb so eifrig und tapfer wie die übrigen Gläubigen. Aber dennoch: Gott hat einen Bund mit ihm geschlossen und ihn besiegelt auf ewig. Gott hat sich dem Priester ausgeliefert. Er hat ihm sein Wort gegeben und ihm Macht verliehen, die bis in den Himmel reicht: „Was du auf Erden lösen wirst, wird auch im Himmel gelöst sein...“

Gott hat Sie, lieber Jubilar, als Spätberufener in seinen Dienst genommen. Und wenn Sie heute Rückschau halten, dann waren all die Jahre wie ein Wimpernschlag: Zuerst  in einem handwerklichen Beruf, dann nebenbei die Arbeitermittelschule, die Matura, und als Dreißigjähriger ins Priesterseminar! Sie haben damals die 68er Bewegung im Seminar erlebt, den Aufstand der Seminaristen und die Absetzung des Regens und dann später erfahren, daß man als Knecht nicht über seinem Meister steht. Es ist Ihnen auch so ergangen, wie es im heutigen Evangelium von Jesus berichtet wird: Die Einwohner von Nazaret lehnten ihn ab. Was kann er uns schon sagen? Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns? Ein ungebildeter Handwerker? Und mit dieser Etikettierung, mit diesem Vorurteil verhinderten die Menschen damals ihre Gnadenstunde und das Geschenk des Glaubens.

Lieber Jubilar! Eines werden Sie dabei mit Sicherheit sagen dürfen: Geprägt und behütet wurde mein Priesterleben in all den Jahren von der Mutter meines Herrn. Neunzehn Jahre waren Sie Pfarrer im Fatimaheiligtum von Schardenberg und haben dort unzählige Menschen in ihrer Liebe zur Muttergottes bestärkt und sie für das Evangelium Christi wieder hellhörig gemacht. Die Wallfahrt in Schardenberg war entstanden, weil sich die Menschen gedrängt fühlten zur Wiedergutmachung für eine Untat, bei der man äußere Symbole heruntergerissen hat. Heute geht vieles noch tiefer. Heute ist das Heilige selbst in Gefahr, zertreten zu werden: Die Heiligkeit des Sonntags, die Heiligkeit von Ehe und Familie, die Achtung vor dem Leib, die Ehrfurcht vor dem Leib des Herrn und vor Gott selbst, der sich im Sakrament des Lebens schenkt. Und unsere Wiedergutmachung dafür soll sein die Treue zu seinen Geboten und die Treue in seinem Dienst.

Am 19. Juni, dem Herz-Jesu-Fest hat das sogenannte Priesterjahr begonnen: Zwei Dinge möchte der Heilige Vater damit erreichen: Daß die Gläubigen um Priesterberufe beten und die Priester selbst ihrer Berufung treu bleiben.

Der hl. Paulus hat gesagt: „Wir sind Diener Christi, Verwalter und Ausspender der Geheimnisse Gottes ... von einem Verwalter aber“ – sagt er – „erwartet man nur, daß er treu ist.“ Und was heißt das konkret?

Treu sein heißt: Immer, solange wir leben, für einen anderen eintreten, immer sprechen für den, der sein Wort in unseren Mund gelegt hat. Treu sein heißt: Sich der Macht der Botschaft beugen und nichts verfälschen und nichts auslassen. Nicht um der Bequemlichkeit willen und auch nicht um derer willen, die es so hören wollen und denen manchmal auch das Billigere angenehmer wäre. Treu sein heißt: Nicht ausweichen aus diesem Dienst in den Erfolg oder in die Betriebsamkeit oder in die Lockung der Karriere. Treu sein heißt: Sich selbst zurückstellen. Und wenn wir die Grenzen in uns erleben, die wir nicht ändern können, und dann bange fragen: hat Gott recht getan, mich zum Werkzeug zu machen, ausgerechnet mich? und dann doch dieselbe Botschaft ausrufen mit Zuversicht; und wenn wir die Grenzen erfahren bei denen, die uns anvertraut sind; wenn kein Echo kommt, wenn alles dunkel bleibt und wir dennoch nicht verzagen: das alles heißt treu sein. Und so wird die Treue zur Krönung der Liebe.

Ich schließe! Lieber Jubilar. Sie wurden geweiht, die Kirche zu lieben, die die Braut Christi ist, die einmal in Herrlichkeit erstrahlen wird und sich jetzt noch zeigt mit ihren Schwächen und Grenzen. Sie werden sie weiter lieben und ihr auch weiter treu bleiben, denn Christus selbst hat damals im Abendmahlsaal auch schon für Sie dieses Gebet gesprochen: „Vater, ich habe ihnen dein Wort gegeben, aber die Welt hat sie gehaßt, weil sie nicht von der Welt sind. Ich bitte dich Vater, bewahre sie vor dem Bösen und weihe sie für die Wahrheit, damit sie in Wahrheit geheiligt seien.“ Amen.

 

Konsistorialrat Alfred Hohensinn gestorben (Meldung der Diözese Linz):

Der emeritierte Pfarrer Alfred Hohensinn ist am 20. September 2009 im 75. Lebensjahr in Linz verstorben.

KonsR Alfred Hohensinn

KonsR Alfred Hohensinn

Alfred Hohensinn ist am 12. Dezember 1934 in Ried i.I. geboren, erlernte den Beruf des Kleidermachers und maturierte 1962 nach dem Besuch der Arbeitermittelschule. Anschließend trat er in das Linzer Priesterseminar ein und wurde 1969 zum Priester geweiht.
Er war Kooperator in Diersbach, Gunskirchen, Liebenau, Pfarradministrator in Geinberg und Pfarrprovisor von Weilbach. 1983 wurde er zum Pfarradministrator und 1984 zum Pfarrer von Schardenberg bestellt, wo er bis zu seiner Pensionierung 2002 als Pfarr- und Wallfahrtsseelsorger sehr segensreich gewirkt hat. Danach übersiedelte er nach Auerbach in Deutschland, wo er als Hausgeistlicher im Mutterhaus der Schulwestern v. Unserer Lieben Frau tätig war. Im Oktober 2007 kam er nach Hofkirchen im Mühlkreis und half in Hofkirchen und in den Pfarren der Umgebung aus.

Für den Verstorbenen wird am 23. und 24. September um 19.30 Uhr in der Pfarrkirche Hofkirchen gebetet und am 24. und 25. September um 19.00 Uhr in der Pfarrkirche Schardenberg.

Der Begräbnisgottesdienst wird am Samstag, 26. September 2009, um 10.00 Uhr in der Pfarrkirche Schardenberg gefeiert, anschließend Beisetzung im Priestergrab. (Totenoffizium um 9.30 Uhr)