Josef Spindelböck
Gott ist Mensch
geworden:
zu schön, um wahr zu sein …?
Predigt am
Hochfest der Geburt des Herrn
Christmette, 24./25. Dezember 2011,
Lesejahr B
Messe
in der Nacht: L 1: Jes 9,1-6; L 2: Tit 2,11-14; Ev: Lk 2,1-14
Am
Morgen: L 1: Jes 62,11-12; L 2: Tit 3,4-7; Ev: Lk 2,15-20
Am
Tag: L 1: Jes 52,7-10; L 2: Hebr
1,1-6; Ev: Joh 1,1-18
Liebe Brüder
und Schwestern im Herrn!
Wer
vermag sich ganz dem Zauber dieser
Heiligen Nacht zu entziehen, wenn die Engel
den Hirten auf dem Felde die frohe
Botschaft verkünden, dass der Erlöser der Welt geboren ist? Zum Zeichen für die
Wahrheit dieser frohen Nachricht werden sie ein kleines Kind finden, das in einer
Krippe liegt.
2000
Jahre später sind auch wir herbei geeilt
von unseren Häusern und Familien, um
hier in der Kirche beim Kind in der
Krippe zu sein. Zwar sind uns selber nicht Engel vom Himmel erschienen, die
uns diese Nachricht verkündet haben, doch wird seit damals in der ganzen Welt
die Botschaft von diesem Kind verbreitet durch alle jene, die an das
Jesuskind glauben und in ihm den Erlöser der Menschen anerkennen.
Wie
lautet der so einfache und doch unerhört tiefe Inhalt dieser Botschaft vom Kind an der Krippe? Wir hören es im
Evangelium und wir werden dessen in der bildlich-figürlichen Darstellung gewahr:
Gott ist Mensch geworden. Der Ewige
und Unfassbare, der Allmächtige und Heilige ist in Liebe vom Himmel
herabgestiegen, um ein Mensch wie wir zu werden. Durch Maria, die Jungfrau, hat das ewige Wort Gottes Fleisch angenommen. Dieses Kind Jesus ist der Immanuel, was wörtlich heißt: Gott ist bei uns!
Was
aber will uns Gott in der Menschwerdung
seines Sohnes sagen? Worauf kommt es an?
Gott will uns zu allererst beweisen,
dass er uns liebt. Wir Menschen sind ihm nicht gleichgültig. Ja, er möchte
uns aus dem Elend, in das uns die eigene Schuld
gebracht hat, erlösen und befreien.
Gottes Liebe verheißt uns ein neues
Leben, das mit dem Tod nicht endet, sondern im Himmelreich seine Vollendung
finden wird.
Manche unserer Zeitgenossen
werden sagen: „Die Botschaft hör‘ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Es ist
einfach zu schön, um wahr zu sein!“ Was
kann man darauf antworten? Die Situation
der Welt ist leider auch 2000 Jahre nach der Geburt Christi weiterhin von Hass und Gewalt geprägt; die
Friedensbotschaft der Engel hat viele immer noch nicht erreicht. All das
stimmt. Aber ist es ein Einwand gegen die Wahrheit der Weihnachtsbotschaft?
Zeigt uns das alles nicht im Gegenteil, dass
wir mehr denn je des Erlösers Jesus Christus bedürfen?
Er wartet auch heute auf unseren Glauben
und unsere Hingabe. Der Heiland will bei uns ganz persönlich einkehren, um
uns zu wahrer Menschlichkeit und Liebe
hinzuführen.
Zur
Freiheit und Herausforderung unseres
Menschseins gehört es, dass wir jeweils aufs Neue aufgerufen sind, Gott Einlass bei uns zu geben. In dem
Maß, wie dies geschieht, kehrt Friede
ein und wird etwas spürbar von jener Freude,
die allein Gott uns schenken kann und die uns auf Erden vorbereitet für die endgültige Begegnung mit unserem Herrn und
Erlöser im Himmel.
Amen.
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