Josef Spindelböck

Berufen zum Heil und zu ewiger Freude

Predigt am 3. Sonntag im Jahreskreis
22. Januar 2012, Lesejahr B

L1: Jona 3,1-5.10; L2: 1 Kor 7,29-31; Ev: Mk 1,14-20

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Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Wenn es uns gut geht im Leben, dann wünschen wir, die Zeit möge gleichsam still stehen, damit alles so bleibt, wie es ist. In Situationen der Not hingegen, wenn wir bedrängt oder dem Leid unterworfen sind, haben wir den Wunsch, diese Heimsuchung möge bald vorübergehen.

Diese Erfahrung machen sowohl Gläubige als auch nicht Glaubende. Denn als Menschen sind wir dem Wandel der Zeit unterworfen; wir stehen in der Geschichte und können weder das mit Gewalt festhalten, was uns momentan erfreut, noch dem einfach unmittelbar entfliehen, was uns gerade bedrängt.

Auf diese Herausforderung unseres Erdendaseins gibt es verschiedene Antworten: Wenn jemand der Meinung ist, das irdische, vergängliche Leben sei das einzige, was er besitzt, dann steht dieser Mensch unter Erfolgsdruck. Er muss mit allem Einsatz das festhalten, was er besitzt, und in allen Zügen das genießen, was ihm das Leben zu bieten vermag. Solange es diesem Menschen gut geht, sieht er das alles nicht als Problem an. Und doch ist eine solche Lebenshaltung auf einer Fehleinschätzung aufgebaut: Man lebt ja nach dem Motto: „Lasst uns essen und trinken; denn morgen sind wir tot“ (1 Kor 15,32). Eigentlich wird hier der Mensch auf die Stufe des Tieres erniedrigt. Der Tod bedeutet das absolute Ende; es gibt keinen tieferen Sinn im Leben als den irdischen Genuss. Am Ende siegt die Hoffnungslosigkeit. Und tatsächlich: Wie oft verbirgt sich bei so genannten „Genussmenschen“ eine tiefe Ratlosigkeit, ja Verzweiflung, die sie nicht offen zeigen wollen und vielleicht vor sich selbst verleugnen, so lange es geht.

Eine radikal andere Antwort bieten fernöstliche Lebensanschauungen mit religiöser Ausprägung wie z.B. der Buddhismus. Das Leben als solches in all seiner Vergänglichkeit wird hier insgesamt als leidvoll interpretiert. Besser wäre es nicht zu leben als zu leben. Dem „Rad der Wiedergeburt“ von einem Unheilszustand in einen anderen müsse man durch Meditation entfliehen, um schließlich ins Nirwana einzugehen. Ein persönliches Fortleben des Menschen gibt es nicht. Er geht auf in einer namenlosen Dimension, von der man nicht sagen kann, ob es sie gibt oder nicht. Wenn hierzulande manche im Sinne der Esoterik oder des New Age für diese östlichen Lehren regelrecht begeistert sind, so verstehen sie oft gar nicht, worum es wirklich geht. Man muss aber kritisch sagen: Das Leben als solches wird hier negativ gesehen, als Leiden, dem es zu entfliehen gilt, nicht als wunderbares Geschenk Gottes. Und die Flucht aus diesem Leben vollzieht sich als Selbsterlösung durch eigene Kräfte des Menschen.

Demgegenüber ist die christliche Sicht des Lebens zugleich realistischer und hoffnungsvoller. Gewiss: Auch wir geben zu, dass „die Gestalt dieser Welt vergeht“ (1 Kor 7,31). Und doch sind wir nicht ohne Hoffnung: Denn die Vergänglichkeit des irdischen Lebens wird abgelöst durch das Bleibende, das kommt und das wir erwarten. Das Künftige, das uns von Gott verheißen ist, hat mit der Auferstehung Christi von den Toten zu tun. An der Auferstehung zum Leben werden auch wir einst Anteil haben, wenn wir hier auf Erden in Glaube und Liebe mit Gott verbunden sind und in Hoffnung die ewige Vollendung erwarten.

Das Reich Gottes, das Jesus verkündet hat, ist bereits hier auf Erden in den Herzen der Menschen anwesend, die an den Erlöser glauben. Es wird sich einst vollenden in der himmlischen Herrlichkeit, auf die wir zugehen. Von daher gewinnt auch unser Erdendasein eine neue Qualität: wir sind innerlich frei und froh, auch wenn wir der Vergänglichkeit unterworfen sind. Tatsächlich können wir nichts festhalten, und doch wird uns Gott selber im Himmel all das wieder neu und in verwandelter Gestalt schenken, was auf Erden wirklich wertvoll war.

Nicht geht verloren von dem, was in der Liebe zu Gott und zu den Menschen gegründet ist. Darum lasst uns voll Freude das Gute tun; denn Gottes Schöpfung ist gut, und er hat uns zum Heil und zur ewigen Freude berufen! Maria, die Gottesmutter, weise uns durch ihre Fürbitte den Weg.

Amen.

 

 

 

·      Predigten von Josef Spindelböck

·      Predigten von Pfr. Christian Poschenrieder

·      Predigten von + Pfr. Kanonikus Eduard Öhlinger


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