Kompendium der Soziallehre der Kirche
("Sozialkatechismus" vom 25.10.2004)
Auszüge
Bisher als Buch in vollem Wortlaut erhältlich sind die englische und italienische Fassung.
Das am Montag 25.10.2004 veröffentlichte "Kompendium der Soziallehre der Kirche" (Sozialkatechismus) hat weltweite Beachtung gefunden. Es fasst auf 320 Seiten (plus 180 Seiten Index) die Lehre der katholischen Kirche zu wichtigen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens zusammen. "Kathpress" dokumentiert einige Passagen in eigener Übersetzung:
Kapitel 3: Die menschliche Person
"Der Mensch in seiner historisch konkreten Situation stellt das Herz und die
Seele der katholischen Soziallehre dar. Die gesamte Soziallehre geht von dem
Prinzip aus, das die unantastbare Würde der menschlichen Person unterstricht.
(...) Die Kirche will vor allem die menschliche Würde vor jedem Versuch
schützen, diese zu reduzieren oder zu entstellen". (...)
"Nur eine in der gemeinsamen Menschennatur verwurzelte Freiheit kann alle
Menschen zu verantwortlich Handelnden machen, und nur sie ist in der Lage, die
öffentliche Moral zu rechtfertigen. Wer sich selbst zum Maß aller Dinge und der
Wahrheit erklärt, kann nicht im Frieden mit seinesgleichen leben und mit ihnen
zusammenarbeiten." (...)
Kapitel 5: Familie, Keimzelle der Gesellschaft
"Die Priorität der Familie vor der Gesellschaft und vor dem Staat muss betont
werden. Die Familie ist, wenigstens in ihrer Funktion für die Fortpflanzung, die
Voraussetzung für die Existenz der Gesellschaft. In ihren anderen Funktionen
(...) geht sie bezüglich Wichtigkeit und Wert jenen Funktionen voraus, die Staat
und Gesellschaft erfüllen müssen. Sie ist Träger unverletzlicher Rechte, sie
findet ihre Legitimation in der menschlichen Natur und nicht in der Anerkennung
durch den Staat". (...)
"Niemand kann das natürliche Recht zur Ehe abschaffen oder ihre Charakteristika
und ihre Zielsetzung ändern. (...) Ihre Würde mit ihren charakteristischen
Eigenheiten muss vor jedem Versuch der Verzerrung geschützt werden".
"Die Polygamie ist eine radikale Verneinung des ursprünglichen göttlichen Plans,
weil sie gegen die gleiche personale Würde von Mann und Frau verstößt". (...)
"Gegen die rechtliche Anerkennung homosexueller Paare (...) spricht vor allem
die objektive Unmöglichkeit, eine solche Partnerschaft durch die Weitergabe des
Lebens fruchtbar werden zu lassen, gemäß dem von Gott in die Struktur des
Menschseins eingeschriebenen Plan".
(...)
"Das Klonen widerspricht der Würde der menschlichen Fortpflanzung, weil es sich
als asexuelle Reproduktion völlig ohne den personalen Liebesakt der Gatten
vollzieht. Zweitens stellt dieser Typ der Vermehrung eine Form der totalen
Herrschaft des Produzenten über das produzierte Leben dar. Wenn das Klonen
geschieht, um Embryonen herzustellen, von denen zu Therapiezwecken Zellen
entnommen werden können, macht das die moralische Verwerflichkeit dieses Aktes
nicht geringer; denn um diese Zellen entnehmen zu können, muss der Embryo erst
erzeugt und dann vernichtet werden".
Kapitel 6: Menschliche Arbeit
"Die Arbeit ist ein Gut aller, das für alle verfügbar sein muss, die dazu fähig
sind. Vollbeschäftigung ist daher ein verpflichtendes Ziel für jede
Wirtschaftsordnung, die auf Gerechtigkeit und Gemeinwohl zielt". (...)
"Die Aufgabe des Staates besteht nicht so sehr darin, seinen Bürgern unmittelbar
das Recht auf Arbeit zu garantieren, indem er die gesamte Wirtschaft unbeweglich
macht und die freie Initiative abtötet. Sie besteht vielmehr darin, die
Aktivität der Unternehmen zu fördern, indem er Bedingungen schafft, durch die
Arbeitsmöglichkeiten entstehen, und indem er die wirtschaftliche Aktivität dort
stimuliert, wo sie ungenügend ist oder sie in Momenten der Krise unterstützt".
Kapitel 11: Förderung des Friedens
"Der Terrorismus ist eine der brutalsten Formen der Gewalt, die heute die
internationale Gemeinschaft erschüttert. Er sät Hass, Tod und den Willen zu
Rache und Repressalien. (...) Der Terrorismus manifestiert eine totale
Verachtung des menschlichen Lebens und kann durch nichts gerechtfertigt werden.
(...) Es gibt ein Recht, sich gegen den Terrorismus zu verteidigen. (...) Die
Bestrafung der Schuldigen (...) darf nicht auf die Religionen, Nationen oder
Volksgruppen ausgedehnt werden, denen die Terroristen angehören".
"Es ist eine Entweihung und Gotteslästerung, sich als Terroristen im Namen
Gottes zu bezeichnen. (...) Es verdreht den Begriff des Martyriums, wenn man
jene als Märtyrer bezeichnet, die sterben, während sie einen Terrorakt verüben.
(...) Keine Religion darf den Terrorismus tolerieren oder gar predigen".
"Ein Präventivkrieg, der ohne überzeugende Beweise eines unmittelbar
bevorstehenden Angriffs geführt wird, muss zwangsläufig schwere Fragen
moralischer und rechtlicher Art aufwerfen. Deshalb kann nur eine Entscheidung
der kompetenten Organe, auf der Grundlage strenger Nachforschungen und
begründeter Motive, dem Einsatz der Waffengewalt eine internationale
Legitimation geben".