Kongregation für das katholische Bildungswesen
(für die Seminare und Studieneinrichtungen)
Richtlinien für die Ausbildung der
Priesteramtskandidaten im Hinblick auf die Probleme von Ehe und Familie
vom
INHALT
I. DER DERZEITIGE STAND DER AUSBILDUNG
II.
AUF WELCHEN WEGEN LÄSST SICH DIESE AUSBILDUNG VOLLSTÄNDIGER UND WIRKSAMER
GESTALTEN?
a)
Intellektuelle Ausbildung
b) Geistliche Ausbildung
c) Pastorale Ausbildung
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Die eben abgeschlossene
Begehung des Jahres der Familie in der Kirche hat dieser Kongregation eine gute
Gelegenheit geboten, die Aufmerksamkeit der Bischofskonferenzen auf die
besondere Bedeutung hinzulenken, die in der Priesterausbildung den Problemen um
Ehe und Familienleben zukommt. Auch wenn dieses Thema in den
Ausbildungsprogrammen vorhanden ist und darum weder in der praktischen
Ausbildung noch bei den Studien übergangen wird, so erfordert es doch neue
lehrmäßige, moralische, spirituelle und pastorale Entfaltungen sowie neue
Akzente, die seiner vollen Aktualität und Dringlichkeit entsprechen. Nach den
Worten von Papst Johannes Paul II. ist es heute nämlich notwendig, daß die Familie und das Leben »in den Mittelpunkt der neuen
Evangelisierung« gestellt und »Objekt eines gründlichen und systematischen
Studiums und Überlegens in den Seminaren, den Ausbildungshäusern und
-instituten werden« (Ansprache an die Präsidenten der Kommissionen der Bischöfe
für die Familie in Lateinamerika vom
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Wie sich aus zahlreichen
amtlichen Dokumenten der Kirche, aus verschiedenen Kongressen und Gesprächen in
letzter Zeit zum Thema ergibt, sind die Aufgaben, welche die künftigen Priester
auf diesem Gebiet ihres Dienstes im Unterschied zur Vergangenheit erwarten,
sehr viel heikler, anspruchsvolle und vor allem komplexer geworden. Es geht auf
der einen Seite um die Verkündigung der Neuheit und Schönheit der ‚göttlichen
Wahrheit über die Familie’ (vgl. Johannes Paul II., Brief an die Familien »Gratissimam sane« 18, 23) sowie
die Begleitung der christlichen Familie auf dem Weg zur Vollkommenheit der
Liebe, und auf der anderen Seite
um das Auffangen von Krisensituationen und der Verbreitung von Lehren mit einer
Auffassung von Leben und Sitten, die dem Evangelium und dem wahren Wohl des
Menschen zuwiderlaufen. Mit einem Wort: die geistlichen und materiellen
Bedürfnisse der christlichen Familie steigen heute erheblich an und erfordern
daher den Dienst von Hirten, die nicht nur für diese Probleme aufgeschlossen,
sondern auch mit der Wirklichkeit des Lebens vertraut und in der Lehre sicher
sind.
Angesichts dieses
Standes der Dinge stellen wir hier im folgenden zwei
Fragen: Sind die Priester, die heute aus den Seminaren hervorgehen, ausreichend
vorbereitet, um diesen pastoralen Anforderungen zu genügen? Und wenn die
Antwort nicht positiv sein sollte: Was ist zu tun, um ihre Vorbereitung zu
verbessern, sie immer wirksamer und vollständiger zu machen?
I. DER DERZEITIGE STAND DER AUSBILDUNG
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Angesichts der großen
Unterschiedlichkeit der Situationen auf Weltebene kann auch die Antwort auf die
erste der beiden Fragen nur sehr unterschiedlich ausfallen. Bei der
Formulierung ihres Urteils zu diesem Punkt stützt sich diese Kongregation auf
die Ergebnisse einer entsprechenden Umfrage, die seinerzeit bei den
Bischofskonferenzen durchgeführt wurde, auf die Informationen der Apostolischen
Visitatoren der Seminare, auf die »Ad-limina«-Besuche der Bischöfe, auf die direkten Kontakte
mit den Verhältnissen am Ort, auf die Befragung einiger Fachleute und auf die
Meinungsäußerung der diözesanen und pfarrlichen
Gemeinschaften: zumal die letztere ist ein ausgezeichneter Hinweis auf die
Qualität der Ausbildung in den Seminaren sowie die entsprechenden Wünsche und
Anregungen der christlichen Ehegatten.
Man kann sagen, daß diese Fülle von verschiedenen Daten, als Ganzes und
umfassend betrachtet, einige Schlußfolgerungen
allgemeiner Art erlaubt, die verschiedene Bedürfnisse und gemeinsame Tendenzen
bei der Ausbildung aufzeigen:
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1. Auf den ersten Blick
wird das Thema Ehe und Familie bei den kirchlichen Studien nicht
vernachlässigt. Es ist gewöhnlich in die Lehre der dogmatischen Theologie (den
Traktat über die Schöpfung), der Sakramente (Ehesakrament), der Moraltheologie
(Probleme des ehelichen Lebens: Beziehungen zwischen den Ehegatten, zwischen
Eltern und Kindern, Erziehung), der Pastoral (im Kapitel über die
Familienpastoral), des Kirchenrechtes (Bedingungen für die gültige Feier des
Ehesakramentes) und der Liturgie (der Ritus der Eheschließung) eingefügt. Es
geht um grundlegende Fächer und Themen, die in einem bestimmten Sinn auch
»traditionell« sind und mehr oder weniger in allen Seminaren behandelt werden,
auch wenn die Form der Behandlung am einen oder anderen Ort, je nach der
strukturellen und organisatorischen Gediegenheit der einzelnen Einrichtungen,
unterschiedlich ist.
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Doch was in dieser
Hinsicht heute am wichtigsten wird, ist nicht so sehr die materielle
Organisation der Lehrvermittlung, sondern vielmehr ihre Qualität und
Wirksamkeit. Urteilt man von den gesammelten Erfahrungen aus, aber auch von
verschiedenen Kritiken sowie vom Gefühl der Unzufriedenheit her, die hier und
dort vom didaktischen, lehrmäßigen und praktisch-pastoralen Gesichtspunkt aus
vorgetragen werden, so muß man schließen, daß dieser Stoff nicht so sorgfältig und umfassend
dargeboten wird, wie es erforderlich wäre, um der Kirche für diesen
Apostolatsbereich gut vorbereitete Hirten zu geben; Hirten, die fähig sind,
»die Lehre der Kirche über die Ehe ohne Zweideutigkeit darzulegen« (Paul VI.,
Enzyklika »Humanae vitae« 28), die Gewissen zu
erhellen und zu bilden, sowie eine fachkundige und anregende Zusammenarbeit mit
apostolisch aktiven Familien zu fördern und damit der tiefreichenden
Erneuerung der gesamten Familienpastoral einen neuen Impuls zu geben.
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2. Was den im engeren
Sinn lehrmäßigen, dogmatisch-moralischen und spirituell-liturgischen Aspekt
angeht, so besteht der weit verbreitete Eindruck, daß
die Lehre auf der einen Seite, zumal in der Moraltheologie, nicht ausgewogen
ist und auf der anderen Seite eine klare Vorstellung von ihren Zielen und den
Grundsätzen einer echten theologischen Forschung fehlt. Beim Thema Familie und
Eheleben wird nicht selten das kirchliche Lehramt angegriffen, es finden sich
Tendenzen zu einem übertriebenen Psychologismus und Soziologismus und bestimmte Einseitigkeiten, welche die
Behandlung der ganzen Materie auf einige Teilaspekte beschränken, so daß es an Unversehrtheit und Vollständigkeit mangelt.
Zugleich wird nicht selten bemerkt, daß einige
wichtige, vom II. Vatikanischen Konzil und den späteren amtlichen Dokumenten
der Kirche vorgelegte Aufgaben übergangen werden, wie etwa eine sorgfältigere
philosophische und biblische Begründung der der Ehe zugrundeliegenden
Anthropologie, ein gründlicheres Studium der natürlichen Methoden der
Geburtenregelung und vor allem eine vollständigere und tiefer reichende
theologische Darlegung der Wahrheit über die Familie und der Spiritualität der
Ehe, ohne die die Familie nicht im apostolischen Geist wachsen und zu einer
Antriebskraft für die geistliche Erweckung der christlichen Gemeinschaften und
damit auch der bürgerlichen Gesellschaft werden können.
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3. Das Gewicht und die
Kompliziertheit der ethischen, medizinischen, rechtlichen und wirtschaftlichen
Probleme, die in der heutigen Situation der Familie erörtert werden, zeigen
immer deutlicher, daß die Vorbereitung der künftigen
Priester für das Apostolat auf diesem Gebiet großenteils von der Qualität der
intellektuellen Ausbildung abhängt, die sie in den Seminaren erhalten. Die
kirchlichen Studien besitzen jedoch nicht überall das ihnen gebührende Niveau.
Ernsthafte Probleme schafft vor allem das Studium der Philosophie, die gerade heute
immer häufiger heran gezogen wird, um ihren Beitrag zur Lösung der
grundlegenden anthropologischen Probleme wie auch zur Interpretation und
Anwendung der Ergebnisse der Wissenschaft anzubieten. Dies macht verständlich, daß eine solide Vorbereitung auf die Familienpastoral ohne
eine sehr sorgfältige und vollständige intellektuelle, philosophische und
theologische Ausbildung nicht auskommt, die nur von gut organisierten und im
Bereich der Studien leistungsfähigen Seminaren garantiert werden kann.
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4. Ganz besondere
Probleme stellen sich ferner bei der Vorbereitung der künftigen Priester für
den Dienst der Versöhnung, die geistliche Begleitung und die Gewissensbildung
der Gläubigen. Hier melden sich recht häufig von seiten
der christlichen Eheleute Erwartungen und Fragen an, die in vielen Fällen keine
angemessene Antwort finden. Sie suchen Beichtväter und Seelenführer mit
sicheren moralischen Grundsätzen, die zugleich in den Wegen zur
evangeliumsgemäßen Vollkommenheit erfahren sind, sie erklären aber, daß solche nur schwer zu finden sind. Nach ihren Aussagen
treffen sie gelegentlich auf Priester, die sich an diesem Dienst wenig
interessiert zeigen oder dafür wenig vorbereitet sind. Nach dem Apostolischen
Schreiben »Reconciliatio et Paenitentia«
»muß jeder Priester schon in den Seminarjahren für
den Dienst der sakramentalen Buße zugleich mit dem Studium der dogmatischen,
Moral-, geistlichen und Pastoraltheologie vorbereitet werden (die immer eine
einzige Theologie ist), dazu der Humanwissenschaften, der Methode des Dialogs
und zumal des seelsorglichen Gesprächs« (n. 29). Diesem nachdrücklichen Aufruf
sind in letzter Zeit zahlreiche weitere gefolgt. Wie man jedoch verschiedenen
Anzeichen entnehmen kann, wurde die allgemeine Krise der sakramentalen Beichte
und der geistlichen Begleitung bisher noch nicht überwunden, obwohl man da und
dort neuerdings eine größere Nachfrage danach bemerkt. Diese Feststellung führt
zu der Frage, ob für diesen Zustand nicht wenigstens zum Teil auch die Lücken
in der Ausbildung und der in den Seminaren praktizierte Lebensstil
verantwortlich sind.
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5. Die eigentlich
pastorale — theoretische und praktische — Ausbildung für das Familienapostolat
hat in letzter Zeit erhebliche Vorteile ziehen können: an erster Stelle aus den
Weisungen des Päpstlichen Lehramtes, des Apostolischen Schreibens »Familiaris consortio«, des Päpstlichen Rates für die Familie sowie der
nationalen und diözesanen Pastoralpläne, wie auch aus der Tatsache, daß die Familie in der Gesamtpastoral neben den
verschiedenen Elementen der Gemeinschaft und der Lebensstände (Männer, Frauen,
Jugendliche, Alte usw.) ein spezifisches Profil bekommen hat, so daß sich ihre eigentlichen Probleme erkennen und aufgreifen
lassen. Infolgedessen ist die Vorbereitung der Priesteramtskandidaten auf die
seelsorglichen Aufgaben in diesem Bereich reicher und realistischer geworden,
als dies früher der Fall war.
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Auf der anderen Seite
freilich treffen diese verheißungsvollen Entwicklungen auf nicht wenige
Hindernisse: es fehlen auf diesem Gebiet spezialisierte Dozenten; nicht alle
Professoren verfügen über ausreichende pastorale Erfahrung; die
Studienprogramme schließlich sind ohnehin bereits überladen und gestatten keine
Behandlung der Probleme um Ehe und Familie in der notwendigen Breite und Tiefe.
Hinzuzufügen ist, daß der praktische Nutzen der
Lehrtätigkeit oft durch die Unsicherheiten und Schwankungen in der Lehre und
die ungenügende Koordinierung der verschiedenen Fächer gemindert wird.
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Die praktischen
pastoralen Erfahrungen der Seminaristen, deren Notwendigkeit immer mehr
verspürt wird, gelingen besser in Diözesen mit vielen Initiativen zugunsten der
Familien (Beratungsstellen, Familiengruppen und -bewegungen), die eine zutreffendere Sicht der Wirklichkeit erlauben und vor allem
die Möglichkeit bieten, die kommunikativen Begabungen und die Fähigkeit zu echt
menschlichen Kontakten zu erproben und zu verfeinern. Doch haben solche
pastoralen Einübungen bisher wenig Erfolg gehabt, einmal weil in vielen
Seminaren auf diesem Gebiet die Begleitung, Überwachung („Supervision“) und
Auswertung durch die Erzieher fehlt, oder weil die jungen Menschen selber als
wenig reif für diese Art von Apostolat angesehen werden und sich davon häufig
auch nicht besonders angezogen fühlen. Ferner stören die Ausgänge der jungen
Leute am Abend und in der Nacht, um an den Zusammenkünften der Familiengruppen
teilnehmen zu können, nicht selten die Ordnung und Disziplin der Seminare.
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6. Neben den erwähnten
Lücken und Schwierigkeiten ist freilich auch daran zu erinnern, daß sich in diesem Ausbildungsbereich neue Möglichkeiten
und Perspektiven abzeichnen. Es kommen nämlich neue Impulse nicht nur von oben,
sondern auch, wenn man so sagen will, von „unten“: aus den Pfarreien und
Verbänden, welche die Seminare mit den Familien und ihren Problemen in Kontakt
bringen. Es finden daher immer mehr Kurse zur Weiterbildung und Information für
die Erzieher und Seminaristen statt, meist mit Hilfe der Verantwortlichen für
die Familienpastoral und verschiedener Apostolatsgruppen organisiert, wobei die
Aufmerksamkeit auf die Hilfen gerichtet ist, die man hier vom priesterlichen
Dienst erwartet. Von diesen bisher eher sporadischen und nur gelegentlichen
Angeboten gilt es freilich zur Durchführung von mehr systematischen und
anspruchsvollen Programmen überzugehen, die mit der gebührenden Fachkenntnis
und dem notwendigen Weitblick gestaltet werden und die die heute am meisten
diskutierten lehrmäßigen, spirituellen und pastoralen Probleme berücksichtigen.
Doch kann die Vorbereitung auf die Familienpastoral in den Seminaren ihre
eigentlichen Ziele erst dann erreichen, wenn alle, die Ausbilder und die
Auszubildenden, von ihrer wesentlichen und unausweichlichen Wichtigkeit
überzeugt sind und die Familie in wirksamer Weise »zum ersten und wichtigsten«
Weg ihres Dienstes machen (vgl. Johannes Paul II. Brief an die Familien »Gratissimam sane«, 2).
In diesem Zusammenhang
erscheint daher unsere zweite Frage zur Verbesserung der Situation sehr
angebracht:
II. AUF WELCHEN WEGEN LÄSST SICH DIESE AUSBILDUNG
VOLLSTÄNDIGER UND WIRKSAMER GESTALTEN?
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Die zahlreichen und
heiklen Probleme um Ehe und Familie lassen sich in einer den heutigen
Bedürfnissen angemessenen Weise nur aufgreifen, wenn die Priester von echt
pastoralem Geist beseelt sind und wirkliche Fachkenntnis besitzen. Daraus
folgt, daß das Ausbildungssystem auf diesem Gebiet
einer gründlichen Überprüfung und eventuell eines wirklichen Qualitätssprungs
nach vorne bedarf.
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1. Jeder Schritt, den
man in dieser Richtung unternimmt, muß geleitet sein
von einem klaren Wissen um den Umfang und die Zielsetzungen dieses Bereichs des
geweihten Dienstes: das Familienapostolat ist eine Aufgabe, die nicht nur die
wenigen Priester angeht, die mit der Familienpastoral beauftragt sind oder
werden; sie ist eine heute wesentliche und, man kann sagen, im christlichen
Apostolat allgegenwärtige Dimension, die sämtliche Priester, wenn auch in
unterschiedlichen Weisen und Graden, engagiert mittragen müssen. Jenen, die
sich auf das Priestertum vorbereiten, müssen daher die Bildungsmittel
verschafft werden, welche sie für die wirksame Durchführung dieses wichtigen
und schwierigen Apostolates befähigen.
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2. Die Vielfalt der
Bildungsthemen und -aufgaben auf diesem Gebiet erfordert eine sorgfältige
Koordinierung der anfänglichen Ausbildung im Seminar und der ständigen
Fortbildung. Mit aller Klarheit ist festzulegen, was in den Kursen im Seminar
zu behandeln ist und was auf die Zeit nach der Priesterweihe verschoben werden
kann. Bei der Auswahl der Themen muß notwendig unter
anderem der Reifegrad der Alumnen berücksichtigt werden. Verschiedene Themen
zum Eheleben können nämlich nur im Kontakt mit der pastoralen Praxis
entsprechend ausführlich und konkret behandelt werden. Doch auch während der
ersten Jahre des geweihten Dienstes gilt es entsprechend schrittweise bei den
Aufgaben vorzugehen und den Neupriestern reifere und erfahrenere
Hirten an die Seite zu stellen.
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3. Wenn man das Thema
Familie weiter entfalten und vertiefen will, muß man
möglichst die Vermehrung von Spezialkursen und -fächern vermeiden. Es empfiehlt
sich hier vielmehr die fächerübergreifende Zusammenarbeit der bereits
vorhandenen Lehrstoffe und eine solche Organisation des gesamten Lehrbetriebs, daß das Thema Familie eine innere Dimension der intellektuellen
und pastoralen Ausbildung werden kann. Eine solche sorgfältige didaktische
Koordinierung, die übrigens auch vom Dekret »Optatam totius« (Nr. 17) und der »Ratio fundamentalis«
(Nrn. 80, 90) vorgesehen ist, gelingt freilich nur
mit Hilfe und mittels Kontrolle eines echten Spezialisten für die Probleme von
Familie und Ehe. Auf diese Weise tritt das Thema Familie und Ehe ins rechte
Licht und läßt die Versuche weniger ratsam
erscheinen, einen Spezialkurs anzubieten, der sich mit dem Thema unter
sämtlichen Aspekten beschäftigt, wie es da und dort überlegt wird.
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4. Besondere
organisatorische Probleme ergeben sich für die theologischen Fakultäten, an
denen eine ziemliche Anzahl von Seminaristen ihre Studien macht. Die
akademischen Kurse des ersten Zyklus sind gewöhnlich überladen und beschäftigen
sich vorwiegend mit dem wissenschaftlichen Studium der hauptsächlichen
theologischen Stoffe. Ihre vorrangige Aufgabe besteht daher darin, den Alumnen
eine vom spekulativen und positiven Standpunkt aus gründlichere Darlegung der
lehrmäßigen und moralischen Grundsätze, die Ehe und Familie betreffen,
anzubieten, um sie zu befähigen, deren Gültigkeit zu vertreten und zu
verteidigen und sie auf das konkrete Leben anzuwenden. Gleichzeitig ist ein
gewisses Bemühen angebracht, in die Programme einige unerläßliche
pastorale Hilfswissenschaften und Seminare einzubauen, und zwar trotz der
bekannten räumlichen und zeitlichen Grenzen. Würden sich trotz guten Willens
hier Lücken ergeben, sind sie im zweiten Zyklus (eventuell im »Pastoraljahr«,
wie es von Art. 74 § 2 der Apostolischen Konstitution »Sapientia
christiana« vorgesehen ist) oder aber mit ergänzenden
internen Vorlesungen, die in den Seminaren oder Kollegien organisiert werden
sollten, aufzufüllen.
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Es ist ferner Vorsorge
zu treffen, daß Themen zu Ehe und Familie von den
Studenten noch häufiger als Gegenstand der Spezialisierung oder für Diplom-,
Magister- oder Lizentiatsarbeiten oder für Doktorarbeiten gewählt werden.
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5. Die Auswahl der
einzufügenden, zu erneuernden oder in den Programmen noch weiter zu
entfaltenden Themen und Gegenstände hängt von den konkreten kulturellen und
pastoralen Verhältnissen am Ort ab. Nützliche Hinweise dazu können die
Bischofskonferenzen bieten, konkret die nationalen und diözesanen Pläne für die
Familienpastoral.
Nach diesen Problemen
allgemeiner Art gehen wir nun zu einigen besonderen Aufgaben der
intellektuellen, geistlichen und pastoralen Ausbildung über.
a) Die intellektuelle Ausbildung
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1. Allem voran ist die
Verantwortung zu betonen, die den Lehrkräften bei der Darlegung der vollen und
echten Wahrheit über den Menschen zukommt, besonders aber über die beiden
grundlegenden Berufungen des christlichen Lebens, nämlich zur Jungfräulichkeit
und zur Ehe, und über ihr gegenseitiges Verhältnis; ferner über »die beiden
Dimensionen der ehelichen Vereinigung, die einigende und die zeugende
Dimension«, die »nicht künstlich getrennt werden können, ohne die innerliche
Wahrheit des ehelichen Aktes anzugreifen« (Johannes Paul II., Brief an die Familien
»Gratissimam sane« 12). Vom
gleichen Papst wird ausdrücklich unter Bezugnahme auf die Enzyklika »Veritatis splendor« betont: »Nur
wenn die Wahrheit über die Freiheit und Gemeinschaft der Personen in Ehe und
Familie erneut ihren Glanz gewinnt, kommen wir wirklich dem Aufbau der
Zivilisation der Liebe näher, und man kann, wie es das Konzil tut, wirksam von
einer ‚Aufwertung der Würde von Ehe und Familie sprechen’« (ebd. 13). Von einer
lehrmäßig sicheren Darlegung, die an das kirchliche Lehramt gebunden und in
ihrem spekulativen und positiven Aspekt entfaltet ist, hängt daher auch die
Qualität der Ehespiritualität und des pastoralen
Wirkens des Priesters ab.
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2. Die wohldurchdachte
und vertiefte Kenntnis der Wahrheit über Ehe und Familie setzt eine gediegene
und in gesunden Prinzipien begründete philosophische Reflexion voraus. Sie muß die Grundbegriffe der Anthropologie ans Tageslicht
bringen, wie zum Beispiel die Person, ihre Selbstverwirklichung in der
Intersubjektivität, ihre Bestimmung, ihre unveräußerlichen Rechte und den »bräutlichen Charakter« als eine der vorrangigen
Äußerungsformen der menschlichen Natur, die auch konstitutiv sind für die
Gesellschaft. Empfohlen wird, diesen Themen bei den philosophischen Kursen die
gebührende Aufmerksamkeit zu widmen und damit der ganzen Lehre über Familie und
Sexualität eine sichere metaphysische Grundlage zu geben.
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3. Bei der Lehre der
Philosophie, ergänzt mit Daten aus der Geschichte, der Soziologie und
Ethnographie, wird man zu erklären versuchen, daß die
derzeitige Krise der Ehe und der Institution Familie ihre Wurzeln in den
Denkströmungen der Vergangenheit hat und nur ein klarer Ausdruck der tiefen
Krise der geistigen, ethischen und kulturellen Werte ist, die heute die ganze
Menschheit durchzieht. In diesem Zusammenhang betrachtet, gewinnen die
pastoralen Aufgaben, auf die sich die jungen Menschen in den Seminaren
vorbereiten, ihre wahre Dimension, wobei sie sich unter anderem auch als ein
ernsthafter und intelligenter Dienst an der Wahrheit und am Aufbau einer neuen,
des Menschen würdigeren Zivilisation erweisen.
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4. Die Auswahl der
Themen der Bioethik wissenschaftlicher und philosophischer Natur wird im
Hinblick auf die Bedürfnisse der Moraltheologie zu treffen sein, die sorgfältig
erhobene wissenschaftliche Daten für die fachkundige Behandlung der aktuellsten
Probleme des Lebens in Ehe und Familie braucht. Einige Themen dieser Art können
eventuell der Pastoralmedizin zugewiesen werden, um die Beiträge der
medizinischen Wissenschaft nutzen zu können.
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Bei der Moraltheologie
sind nämlich »mehr als bei den anderen theologischen Fächern die Ergebnisse der
Natur- und Humanwissenschaften, ferner die der menschlichen Erfahrung zu
berücksichtigen; auch wenn diese Ergebnisse offensichtlich die moralischen Normen
nicht begründen oder gar schaffen können, so vermögen sie doch viel Licht zu
werfen auf die Situation und das Verhalten des Menschen« (Kongregation für das
Katholische Bildungswesen: Dokument über »Die theologische Ausbildung der
künftigen Priester«,
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5. Zahlreiche Elemente
für eine angemessene thematische Erneuerung der verschiedenen Fächer für dieses
Gebiet (dogmatische, Sakramenten-, Moral- und Pastoraltheologie und
Kirchenrecht) sind großenteils in den Dokumenten des Päpstlichen Lehramtes
enthalten: den Enzykliken »Humanae vitae« und »Veritatis splendor«, den
Apostolischen Schreiben »Familiaris consortio« und »Christifideles laici«, im
Apostolischen Brief »Mulieris dignitatem«,
im Brief an die Familien »Gratissimam sane« und in zahlreichen weiteren Erklärungen des Papstes
und der Dikasterien des Heiligen Stuhles (vgl.
besonders die Erklärung »Persona humana« sowie die
Instruktion »Donum vitae« und den Brief an die
Bischöfe der katholischen Kirche über die pastorale Betreuung homosexueller
Personen, veröffentlicht von der Kongregation für die Glaubenslehre). Es liegt
hier ein eindrucksvolles ‘corpus‘ für Lehre und
Pastoral vor, das in seiner organischen Einheit betrachtet je nach der Natur
der einzelnen Themen in die verschiedenen Disziplinen integriert werden muß, um unterschiedliche theologische Konzepte zu klären
und zu entfalten: d.h. um die eigentliche Natur und Identität der Familie zu
erläutern, um die Theologie der »Familie als Hauskirche« zu bereichern, aber
auch um treffende und wohlüberlegte Antworten auf die verschiedenen heute
diskutierten Probleme zu geben wie die Berufung zur Vollkommenheit im Sinn des
Evangeliums, die Unverletzlichkeit des Ehebandes und die Verteidigung des
Lebens.
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6. Die Lehre der
dogmatischen und Sakramententheologie muß, wenn die Vorbereitung der künftigen Priester auf die
Familienpastoral organischer und prägnanter werden soll, das Licht des Glaubens
auf ihr Objekt und ihre Zielsetzungen werfen. Sie müssen angeleitet werden,
immer besser die wahrhaft christliche und übernatürliche Würde von Ehe und
Familie kennenzulernen, wobei diese in den
Zusammenhang des Schöpfungs- und Erlösungswerkes sowie des Geheimnisses der
Kirche eingeordnet wird. Auf diese Weise leuchtet nämlich die wesentliche Rolle
der christlichen Ehegatten in der gesamten Heilsökonomie auf, mitsamt allen
Auswirkungen auf ein intensives sakramentales Leben und die Berufung zur
Heiligkeit. Es geht hier um die Neuheit des Lebens in Christus, das aus dem
Paschamysterium erfließt als Teilhabe an der Liebe
des dreifaltigen Lebens selber, das den Ehegatten selbst, aber auch den
künftigen Seelsorgern den großen Reichtum und die Vervollkommnung enthüllt, die
sich daraus für die natürliche menschliche Liebe ergibt, wobei zugleich die
wahren und letztendlichen Zielsetzungen deutlich werden, um die sich jedes
Apostolat auf diesem Gebiet bemühen muß.
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7. Die Lehre der
Moraltheologie, die eng mit der Lehre der Dogmatik verknüpft wird, ist in
höherem Maße dafür verantwortlich, in den künftigen Priestern Überzeugungen und
Grundhaltungen zum Familienapostolat auszuprägen. Sie muß
wissenschaftlich ernsthaft und lehrmäßig sicher sein, so daß
sie in ihnen die pastoralen Haltungen aufbauen kann und ihren apostolischen
Eifer zu nähren vermag. Während sie bemüht ist, die objektiven Normen der
Ehemoral darzustellen, wird sie sich zugleich mit den »besonderen Umständen«
(vgl. das Apostolische Schreiben »Familiaris consortio«
77 ff.) und den schwierigen Fällen befassen und dafür den künftigen Seelsorgern
pastorale Weisungen und Antworten zugleich mit Hinweisen für die kluge
Heranziehung der Humanwissenschaften geben. Die Treue zum Lehramt wird ihnen
gestatten, »mit allem Eifer für die Einheit ihrer Urteile zu sorgen, um den
Gläubigen Gewissensängste zu ersparen« (ebd. 73).
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8. Das Kirchenrecht, das
die Grundsätze des Glaubens und der Moral auf das konkrete Leben anwendet,
bildet mit seinen Normen über die Bedingungen für die gültige Feier des
Ehesakramentes und mit seinem Schutz des Ehebandes ein wichtiges Element der
Familienpastoral. Sein fleißiges und für die vom modernen Leben sowie von dem
Fortschritt der Humanwissenschaften, der Biologie und Medizin gestellten
Probleme in rechter Weise offenes Studium soll den künftigen Priestern die
nötigen Hilfen an die Hand geben, um sowohl die sich anbahnenden Ehen begleiten
und ihnen helfen zu können, wie auch die schon geschlossenen Ehen und jene, die
sich in der Krise befinden. Man muß ihnen daher auch
einige Kenntnis über die Ehenichtigkeitsprozesse und
die Praxis der kirchlichen Gerichtshöfe vermitteln, endlich auch über die
bürgerlichen Gesetze, die direkt oder indirekt die Familie betreffen. Empfohlen
wird daher auch ein aufmerksames Studium der »Charta der Familienrechte« des
Heiligen Stuhles.
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9. Die soziale Dimension
der Ehe- und Familienprobleme, zumal jener, die als Krisensituationen zu
bezeichnen sind, ist besonderes Objekt der Soziallehre der Kirche. Bei den
Fragen, die in der Moraltheologie vom Standpunkt der personalen Ethik her behandelt
werden, wie z.B. Ehescheidung, Empfängnisverhütung, Abtreibung, künstliche
Befruchtung usw., kommen hier zahlreiche weitere mit wirtschaftlichem und sozio-kulturellem Charakter hinzu (Arbeitslosigkeit,
Familieneinkommen, Rechte der Familie, Frauen- und Kinderarbeit, neue Formen
des ehelichen Zusammenlebens, Änderung der »Rollen« in der Familie, Stellung
der Frau innerhalb der Gesellschaft, Unterricht und Schule, Wohnungsnot,
Drogen, Behinderung, zwangsmäßige Auswanderung, Freizeit usw.), wobei diese im
Licht der bleibenden Grundsätze und Werte, Urteilskriterien und Aktionsnormen
studiert werden müssen. Diese Disziplin besitzt zahlreiche Berührungspunkte mit
der Pastoraltheologie (zumal mit der »Sozialpastoral«) und erfordert daher eine
gute fächerübergreifende Koordination.
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Für ihre Forschungen
bedient sie sich des Beitrags der Human- und der positiven Wissenschaften
(Biologie, Medizin, Psychologie, Wirtschaftswissenschaft, Ethnologie) wie auch
der Ergebnisse der verschiedenen soziologischen und demographischen Analysen
und Umfragen. Bei der Verwendung dieser Daten ist freilich »die Gefahr zu
vermeiden, in die Fallstricke von Ideologien zu geraten, welche die
Interpretation der Daten manipulieren, oder in den Positivismus, der die
empirischen Daten zum Schaden des Gesamtverständnisses von Mensch und Welt
überbewertet« (Kongregation für das Katholische Bildungswesen: »Leitlinien für
das Studium und den Unterricht der Soziallehre der Kirche« 68; vgl. auch 10).
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1. Erste und notwendige
Voraussetzung für die geistliche Betreuung der christlichen Ehegatten und ihrer
Familien ist die menschliche und christliche Reife der Seelsorger. Erforderlich
ist also, daß diesen beiden Aspekten der
Persönlichkeit der künftigen Priester aufmerksam nachgegangen und von den
ersten Jahren des Lebens im Seminar an für sie Sorge getragen wird. Vor allem muß für sie das Verhältnis zwischen der Berufung zur
Jungfräulichkeit und jener zur Ehe als den zwei Dimensionen der einen Berufung
zur Heiligkeit in ihrer ganzen Neuheit und Schönheit hervorleuchten, die stets
im Lichte der Tradition und des beständigen Lehramtes der Kirche zu betrachten
sind (vgl. Pius XII. Enzyklika «Sacra Virginitas»‚
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2. Als künftige
Beichtväter und Seelenführer müssen die Alumnen so gebildet werden, daß sie immer mehr die Schönheit und Wichtigkeit des
Bußsakramentes und der Seelenführung entdecken, um selber als erste deren
fleißige und regelmäßige Empfänger zu werden. Nach dem Apostolischen Schreiben
»Reconciliatio et Paenitentia«
können die Priester nämlich nicht würdig und fruchtbar diesen Dienst ausüben,
ohne ihn selber vorher empfangen zu haben: »Bei einem Priester, der nicht mehr
oder nur schlecht beichtet, würde sein priesterliches Sein und Tun sehr bald
leiden, und das würde auch die Gemeinde merken, deren Hirte er ist« (Nr.
31,VI).
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3. Aufgrund der
konkreten Erfahrungen wird festgestellt, daß die
menschlichen Haltungen der künftigen Priester gegenüber dem Familienapostolat
oft durch die nicht normale Situation der Familien gestört werden, aus denen
sie selber stammen. In diesen Fällen machen verschiedene psychologische
Faktoren den Seminaristen ihren Einsatz auf diesem Tätigkeitsgebiet schwer. Es
ergibt sich daher die Notwendigkeit, ihnen geeignete Hilfen zur Überwindung
dieser Schwierigkeiten durch feinfühliges erzieherisches Eingreifen anzubieten.
Ein wirksames Heilmittel wird für sie später die gemeinschaftliche Erfahrung in
der Priesterschaft der Diözese sein, in der sie eine neue geistliche Familie
für sich finden können und damit auch die Möglichkeit, ihre Beziehungs- und
Kontaktfähigkeit zu den ihnen anvertrauten christlichen Familien zu
vervollkommnen. Ja, ihre früheren persönlichen Erfahrungen können sie sogar
geeigneter machen, mit echt menschlichem Taktgefühl auf verschiedene schwierige
pastorale Situationen zu antworten.
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4. Die Vorbereitung auf
die geistliche Begleitung der Familien beschränkt sich nicht einseitig auf die
Probleme sexueller Art, und sie darf das auch nicht. Doch erfordern diese wegen
ihrer Wichtigkeit und Kompliziertheit vom künftigen Priester über ein solides
Wissen hinaus einige unerläßliche menschliche
Qualitäten: »Jene, die sich mit der Sexualerziehung zu beschäftigen haben ...,
müssen sexuell reife Persönlichkeiten sein und ein echtes sexuelles
Gleichgewicht besitzen. Mehr noch als Kenntnis der Methode und des Inhalts ist
der Persönlichkeitstyp wichtig, den der Erzieher darstellt, und die
Perspektive, in der die Sexualerziehung, bevor sie noch erteilt wird, sich im
Leben ausprägt, ferner der Lebensstil, den die Erziehung inkarniert.
Wissen, Ratschläge und Sorge des Erziehers sind wichtig, doch viel mehr zählt
sein Verhalten« (Kongregation für das Katholische Bildungswesen: »Leitgedanken
für die Erziehung zum priesterlichen Zölibat« 39).
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5. Erstes Ziel der
geistlichen Begleitung durch den Priester ist es, den Ehegatten zu helfen,
damit ihre Familie immer mehr »Hauskirche« und »erste evangelisierende
Gemeinschaft« sein kann (vgl. Dokument von Santo Domingo, 64), »der erste Raum
für sozialen Einsatz«, »der hauptsächliche Ort der Humanisierung der Person und
der Gesellschaft« (vgl. das Apostolische Schreiben »Christifideles
laici« 40). Daher muß der
künftige Priester angeleitet werden, die Familien bei ihrem apostolischen
Bemühen zu begleiten und anzuregen, vor allem bei ihrer gegenseitigen Hilfe auf
dem Weg der dem Evangelium gemäßen Vollkommenheit und Heiligung. Die innere
Festigung zahlreicher Familien erfordert, daß der
künftige Priester lernt, vor allem Lehrer des Gebetes zu sein, darum bemüht, daß man in den Familien betet, sich gegenseitig zu beten
lehrt und die Werke der Liebe übt; daß man am
eucharistischen Opfer mit der Kommunion teilnimmt und das Bußsakrament
empfängt; daß man Initiativen ergreift, um die Kinder
im Katechismus zu unterweisen, und sie auf den ersten Zutritt um Bußsakrament
und zur Eucharistie vorbereitet. Ferner ist in den Familien die
Aufgeschlossenheit der Kinder für den Ordens-, Missions- und Priesterberuf zu
schaffen und zu pflegen.
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6. Immer größere
Bedeutung gewinnt bei der geistlichen Formung der Familien heute die
Notwendigkeit, sie nicht nur als Objekt, sondern auch als aktives Subjekt
apostolischer Initiativen zu betrachten: »Der apostolische Einsatz der
gläubigen Laien geht besonders dahin, die Familie ihrer Identität als erster
sozialer Kern und ihrer ursprünglichen Rolle in der Gesellschaft bewußt zu machen, damit sie selber immer mehr aktive und
verantwortliche Trägerin des eigenen Wachstums und ihrer Beteiligung am sozialen
Leben wird« (Apostolisches Schreiben »Christifideles Iaici« 40). Kontakte mit verschiedenen Familiengruppen und
-bewegungen sowie Informationen über ihr Leben und ihre Tätigkeit werden
Seminaristen nützliche Hinweise geben, um solche geistlichen Ziele zu
erreichen, die zur Gestaltung ihres zukünftigen priesterlichen Dienstes dienen
können.
37
7. Eine echte geistliche
Hilfe für die Familien setzt eine gute Kenntnis ihrer Situation und der
dazugehörigen Probleme voraus. Dazu müssen die künftigen Priester vor allem
über die Schwierigkeiten und die Dringlichkeit der Erziehungsaufgaben gut
unterrichtet sein: wie man Spannungen mit der Autorität, zwischen dem
geforderten Gehorsam und einer berechtigten Freiheit überwindet; wie man
Beziehungen gegenseitigen Vertrauens und der Hingabe zwischen Eltern und
Kindern aufbaut; die Erfordernisse einer klugen und schrittweisen
sexuellen Erziehung, eines verantwortlichen Umgangs mit dem Fernsehen und den
anderen Massenmedien (Kino, Presse, Zeitschriften usw.); das Problem einer
angemessenen und freien Wahl des Lebensstandes. Nach Meinung des Papstes muß man beten und sich dafür emsetzen,
»daß die Familien dem erzieherischen Bemühen mutig,
voll Vertrauen und Hoffnung treu bleiben« (Brief an die Familien »Gratissimam sane« 16), und ihnen
helfen, damit sich bestimmte »starke Überzeugungen« bilden, die oft der einzige
Schutz gegen die unvermeidlichen Schwierigkeiten des Lebens sind.
38
Aus allem oben Gesagten
ergibt sich, daß das Thema Ehe und Familie in der
theoretischen und praktischen pastoralen Ausbildung einen erstrangigen und
wirklich zentralen Platz einnehmen muß:
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1. Die tief im Dogma und
in gesunden moralischen Grundsätzen verwurzelte Pastoraltheologie wird die
praktischen Anwendungen der theologischen Lösungen studieren und dabei die
konkreten Situationen berücksichtigen. Ihre Aufgabe besteht darin, Grundlagen
für ein gut geordnetes Wirken zu schaffen, wobei Furchtsamkeit auf der einen
und ungeeignete oder verfehlte Schritte auf der anderen Seite vermieden werden.
Wenn sie also eine sichere Linie für das Familienapostolat aufzeigt, wird sie
zugleich bemüht sein, verschiedene pastorale Haltungen zu korrigieren, die
nicht dem Lehramt entsprechen und da und dort verbreitet sind.
40
2. Bei der Ausarbeitung
des Lehrprogramms ist das Material- und Formalobjekt dieses Faches zu
berücksichtigen, um sein Gebiet gegenüber den anderen theologischen
Disziplinen, die an Ehe und Familie unter anderen Aspekten interessiert sind,
abzustecken.
41
3. Für den Nutzen und
die praktische Wirksamkeit der Lehre ist eine sehr realistische »pastorale
Sicht« der heutigen Krise der Familien außerordentlich wichtig, die einige
ihrer typischeren Züge berücksichtigt, wie z.B. die religiöse Unwissenheit, das
Fehlen der Erziehung, die Zerrissenheit des staatlichen Schulsystems und die
moralische Richtungslosigkeit, die dahin führt, daß
man im Leben nach dem Muster »Versuch und Irrtum« (»Trial and Error«) vorgeht,
den dominanten Einfluß der Massenmedien, die
zunehmende Zahl der Ehen »auf Probe« und der freien Verbindungen, die
Beziehungsschwierigkeiten in der Ehe, die Loslösung von den traditionellen
Formen und die spontane Erfindung neuer Lebensformen, dazu Zwänge, die in
bestimmten kulturellen Gebieten von alten Stammesgewohnheiten und
Überlieferungen der Ahnen herrühren, Situationen äußerster materieller Not usw.
42
Die künftigen Priester
müssen diese Wirklichkeiten in ihren Auswirkungen für die Pastoral kennen,
damit sie den Gläubigen zu einer entsprechenden Bildung und zu ihrer
Entscheidungsfindung innerhalb eines starken normativen Rahmens, der ihr Leben
zu beeinflussen vermag, verhelfen können.
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4. Was die zu
behandelnden konkreten Themen angeht, so wird der Unterricht vorrangig jene auswählen,
die heute im allgemeinen den Familien am meisten Sorge machen und daher eine
besondere Aufmerksamkeit von seiten des Seelsorgers
erfordern, z.B.:
44
— die religiöse Praxis
der Kinder: wie es anstellen, daß sie mit den Eltern
zu beten lernen, frei und schrittweise, so daß, wenn
sie größer und selbständig werden, eine Zurückweisung vermieden wird. Das
gleiche Problem betrifft den Besuch der heiligen Messe und den Empfang der
Sakramente;
45
— die Situation der
katholischen Schule und der Einsatz für ihre Verteidigung und Förderung;
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— der kritische und
verantwortliche Umgang mit den Medien der sozialen Kommunikation. Dieses Thema
ist sehr wichtig für die moralische Gesundheit der Familien, weil heute ein
Großteil der Bildung, die Eltern und Kinder wie auch die Priester tatsächlich
besitzen, stark von den kulturellen Vorbildern und Verhaltensmustern beeinflußt ist, welche die Medien anbieten (Kongregation
für das katholische Bildungswesen: »Leitlinien für die Ausbildung der künftigen
Priester in den Medien der sozialen Kommunikation«);
47
— die Schwere gewisser
wirtschaftlicher und sozialer Situationen und die Bemühungen um ihre
Überwindung;
48
— ein kluges
Zusammenwirken zugunsten der Familien von Personen, deren berufliche,
politische, soziale, wirtschaftliche usw. Tätigkeit in Beziehung zur Familie
sowie ihren Lebens- und Entwicklungsbedingungen steht (vgl. die
Pastoralkonstitution »Gaudium et spes« 52b). Dieser
wichtige Dienst erfordert viel Zeit und Hochherzigkeit sowie eine spezifische
Vorbereitung des Priesters, der ihn wirksam ausüben will. Hier trifft sich die
Lehre der Pastoraltheologie mit der der Soziallehre der Kirche;
49
— die pastorale
Behandlung des Problems der verantwortlichen Elternschaft und der
Geburtenregelung: wie kann man der Empfängnisverhütung und der Praxis der
Abtreibung entgegenwirken, wie ist die Tätigkeit der Familienberatungsstellen
zu bewerten (die Notwendigkeit genauer Informationen und gesunder
Unterscheidung); Information über die Zentren für die Verbreitung der natürlichen
Methoden, ihre Tätigkeit und die entsprechenden Ergebnisse: das Vertrauen auf
die Möglichkeit positiver Lösungen des Problems.
50
5. Besonders sorgfältig
müssen die künftigen Priester für die Vorbereitung und die Feier des
Ehesakramentes ausgebildet werden: für die vor der Ehe zu erteilende Katechese
über die Voraussetzungen, die menschlichen und geistlichen Erfordernisse und
das Wesen der christlichen Ehe; die Unterweisung der Verlobten über Pflichten
und Rechte der Ehegatten; die Katechese nach der Eheschließung; den
liturgischen Ritus der Feier der Eheschließung; die zuweilen entscheidende
Wichtigkeit dieser pastoralen Handlungen für das ganze weitere religiöse Leben
der Ehegatten und ihrer Familie.
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6. Pastorale und
rechtliche Aspekte der Mischehen: die Form ihrer Feier; Rechte und Pflichten
des katholischen Teils, zumal was die Taufe und religiöse Erziehung der Kinder
angeht, das Problem der seelsorglichen Betreuung (vgl. das Apostolische
Schreiben »Familiaris consortio« 78).
52
7. Die Pastoral der
Geschiedenen, speziell der zivil Wiederverheirateten: ihre Stellung innerhalb
der Pfarrgemeinschaft. »Da der Kommunionempfang für die Wiederverheirateten
ausgeschlossen ist, bleibt die Notwendigkeit ihrer Unterweisung, damit sie
nicht meinen, ihre Beteiligung am Leben der Kirche sei ausschließlich auf die
Frage des Empfangs der heiligen Eucharistie beschränkt. Die Gläubigen brauchen
Hilfe bei der Vertiefung ihres Verständnisses des Wertes der Teilnahme am Opfer
Christi in der heiligen Messe, der geistlichen Kommunion, des Gebetes, der
Betrachtung des Wortes Gottes, der Werke der Liebe und der Gerechtigkeit«
(Kongregation für die Glaubenslehre: Brief an die Bischöfe der Katholischen
Kirche über den Kommunionempfang von wiederverheirateten geschiedenen Gläubigen
vom
53
8. Die pastorale
Betreuung von Familien in schwierigen Situationen: Drogen, Behinderung, AIDS,
andere unheilbare Krankheiten im Endzustand; wirtschaftliche Schwierigkeiten; alleinstehende alte Eheleute, die ohne Kinder oder von
ihren Kindern alleingelassen sind usw. (vgl. das Apostolische Schreiben
»Familiaris consortio« 71). Es handelt sich um
Themen, die unter anderem die Kenntnis einiger Grundelemente der
Pastoralmedizin und -psychologie erfordern.
54
9. Trotz der
verschiedenen Schwierigkeiten muß die praktische
pastorale Ausbildung der künftigen Seelsorger auf diesem wichtigen Gebiet
angemessen mit neuen Hilfen und Impulsen verstärkt und angereichert werden. Der
besonders für die pastoralen Tätigkeiten Verantwortliche im Seminar wird in
Zusammenarbeit mit dem Dozenten für Pastoraltheologie Erfahrungen und
Apostolatsfelder auswählen, die dem Reifegrad der Alumnen entsprechen, und sie
bevorzugt auf jene Bereiche hinweisen, die am meisten zur Vervollkommnung ihrer
pastoralen Haltungen beitragen können: geleitete Kontakte mit
Familienbewegungen und -verbänden; Besuche diözesaner Gerichtshöfe, der
Beratungsstellen und anderer Zentren für die Familienpastoral; Einladung von
Führungskräften des Familienapostolates und von Ehepaaren, die im Apostolat
tätig sind, ins Seminar, um ihre Erfahrungen kennenzulernen;
gemeinsame Überlegungen zu verschiedenen pastoral bedeutsamen Fällen und ihre
Analyse im Licht der Dokumente des Heiligen Stuhles und der Ortskirchen. Ein
hohes Maß an Aufmerksamkeit ist auch dem Problem der angemessenen Sprache und
der Vermittlung zu schenken.
Damit die Seminare und anderen
Institutionen für Priesterausbildung für die geistliche Erneuerung der Familien
jenen Beitrag leisten können, den die heutigen Verhältnisse erfordern, wie sie
der Heilige Vater mit so vielen Einzelheiten dargelegt hat, scheint es
notwendig:
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1. Diesem Thema einen
wichtigen Platz in den »Rahmenordnungen für die Priesterausbildung« und in den
entsprechenden Studienprogrammen zuzuweisen und gegebenenfalls besondere
Erziehungsschwerpunkte für verschiedene Aspekte der Ausbildung zu formulieren,
die den Situationen der einzelnen Diözesen oder Regionen angepaßt
sind.
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2. Damit das Thema Ehe
und Familie in den verschiedenen Fächern mehr präsent wird und dabei eine
wirksame fächerübergreifende Zusammenarbeit erfolgt, braucht es in jedem
Seminar einen wirklichen Fachmann auf diesem Gebiet, der an einem Institut für
spezielle Studien ausgebildet worden ist, wie z.B. am Institut für das Studium
über Ehe und Familie an der Päpstlichen Lateranuniversität
in Rom.
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Wo die
Priesteramtskandidaten die theologischen Fakultäten besuchen, muß notwendig für eine angemessene Koordinierung der
pastoralen Ausbildung zwischen diesen Fakultäten und den Seminaren gesorgt
werden.
58
3. Verstärkt werden muß die gesamte Wirksamkeit der Ausbildung in den
Seminaren, insbesondere die Organisation der Studien. Die Professoren der
einzelnen philosophischen und theologischen Fächer sollen sich nicht nur durch
ihre wissenschaftliche Fachkenntnis auszeichnen, sondern auch durch ihre
Anhänglichkeit an das kirchliche Lehramt und einen lebendigen Sinn für die
Kirche. Es sollen für sie Kurse zur didaktischen und wissenschaftlichen
Weiterbildung unter Leitung der bischöflichen Kommissionen für die Seminare und
für die Glaubenslehre veranstaltet werden.
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4. Die
Bischofskonferenzen und die Diözesanbischöfe sollen die Dozenten an die
pflichtgemäße Treue zum feierlichen und zum ordentlichen kirchlichen Lehramt
erinnern (LG, 25) und ihnen vor Augen halten, daß
eventuelle Mängel darin mit dem »munus docendil« in den Institutionen für Priesterausbildung
unvereinbar sind. Die Professoren müssen sich auch noch mehr bewußt werden, daß die
Einheitlichkeit der Urteile und Kriterien in der Ehemoral für eine pastoral
gültige Ausbildung der künftigen Priester und für ein ruhiges Gewissen der
christlichen Eheleute eine unverzichtbare Voraussetzung ist.
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5. Die ständige
Weiterbildung ist ein wesentliches und unersetzliches Element der Ausbildung
für das Familienapostolat, und sie muß daher
systematisch, wirklich effizient und koordiniert mit dem Studienprogramm des
Seminars erfolgen.
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6. Die Bibliotheken der
Seminare und theologischen Fakultäten müssen mit Büchern, Zeitschriften und
verschiedenen wissenschaftlichen Publikationen zu diesem Thema ausgestattet
sein, damit die Dozenten und Seminaristen über die Entwicklungen auf
wissenschaftlichem und pastoralem Gebiet auf dem laufenden
gehalten werden. Auch entsprechende didaktische Hilfen und Lehrbücher müssen
ihnen zur Verfügung gestellt werden.
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7. In jedem Seminar ist
das systematische Studium der amtlichen Dokumente der Kirche zu fördern, wobei
besondere Aufmerksamkeit auch den Hinweisen des Päpstlichen Rates für die
Familie sowie der nationalen und diözesanen Kommissionen für die Familie zu
schenken ist.
8. Die hochwürdigsten Ortsordinarien mögen nach einem vernünftig bemessenen
Zeitabschnitt der Kongregation für das Katholische Bildungswesen über die
Maßnahmen berichten, die sie ergriffen haben oder ergreifen wollen, um die hier
vorliegenden Weisungen zur Ausbildung umzusetzen.
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Bei der Formulierung der
vorliegenden Forderungen nach einer tiefgreifenden
Erneuerung der Vorbereitung der künftigen Priester auf das Familienapostolat
ist sich diese Kongregation wohl bewußt, daß sie sich nur zum Echo der Wünsche des Papstes und der
Bischöfe, aber auch zahlreicher Familien macht, die, um den erheblichen
Schwierigkeiten, gewachsen zu sein, vor denen sie heute stehen, geistliche
Führer brauchen, die erfahren und sicher in der Lehre sind. Zweifellos kann die
gewünschte Aufrichtung einer moralischen Ordnung, die den christlichen
Forderungen mehr entspricht, nur in Zusammenarbeit mit echten Seelsorgern
gelingen, die für die menschlichen Schwächen Verständnis haben, sich aber
zugleich ernsthaft um die Achtung vor den unverletzlichen göttlichen Gesetzen
bemühen. Die Schwierigkeit der heutigen Situation, auf die der Papst bei
zahlreichen Gelegenheiten aufmerksam gemacht hat, ruft alle auf den Plan,
besonders aber die für die Priesterausbildung Verantwortlichen. Sie fordert
dazu auf, nicht so sehr irgendeinen Teilbereich des Seminarlebens als vielmehr
das ganze Werk der Ausbildung in seinem intellektuellen, geistlichen und
pastoralen Aspekt zu überprüfen.
65
Im vorliegenden Dokument
wurde versucht, nur einige der dringendsten erzieherischen Bedürfnisse herauszustellen,
und es bleibt der pastoralen Sorge der hochwürdigsten Herren Bischöfe
überlassen, diese Hinweise im Hinblick auf ihre besonderen örtlichen
Verhältnisse zu vertiefen und anzupassen. Es geht im wesentlichen
darum, dem Problem der Familienpastoral im gesamten System der Ausbildung jene
zentrale Stellung zuzuweisen, die die gewünschte geistliche und moralische
Erneuerung der Kirche und damit der ganzen Menschheitsfamilie ins Werk setzen
kann. Diese Aufgabe legt sich nicht nur im Interesse der Sicherung des
geistlichen Wohles der Gläubigen nahe, sondern auch, um die unerläßliche
Grundlage für einen sicheren sozialen Fortschritt und für eine bessere Zukunft
der Menschheit zu legen.
Rom, am Sitz der Kongregation,
Pio Kard.
LAGHI, Präfekt
+ José SARAIVA MARTINS
Titularerzbischof von Tiburnica, Sekretär
Die bei der „Libreria
Editrice Vaticana“
erschienene Broschüre können Sie hier
bestellen. Ins Internet gestellt und auf www.stjosef.at
verfügbar gemacht durch Dr. theol. Josef Spindelböck (26.09.2003). Irrtum
vorbehalten!