N i k o l a u s :
Märchengestalt oder heiliger
Konzilsbischof ?
Was es hinter einem christlichem
Brauchtum alles zu entdecken gibt.
KR. lic.theol. P. R o b e
r t Bösner OSB, Wallfahrtsrektor in Maria Dreieichen
Vom ersten Konzil nach der 300jährigen Verfolgungszeit der Kirche, dem Konzil von Nicäa (325), ist auch die Liste der Konzilsväter erhalten. Sie haben die Beschlüsse der Beratungen über die wahre Gottheit des Weltenerlösers Jesus Christus mit ihrer Unterschrift sanktioniert. Unter ihnen (ca. 380 an der Zahl) ist auch in griechischer Schrift ein „nikolaos episkopos Myriootees“ (Nikolaos, Bischof von .Myra) zu .finden.
Myra war eine antike
Küstenstadt in Lykien; heute heißt diese Stadt Demre,
nahe bei Attalia, einer modern ausgebauten Touristenstadt
im Süden der Türkei. Von seiner Bischofsstadt zog Bischof Nikolaus (wahrscheinlich
per Schiff) mehrere hundert Kilometer zur Teilnahme am Konzil nach Nikaia (Nizäa), einer kleinen
Stadt nahe Byzanz, der Hauptstadt des Oströmischen Reiches.
So wie
viele andere rechtgläubige Bischöfe seiner Zeit war auch er überzeugt, dass die
Lehre des Arius aus Ägypten über
Jesus Christus nicht zum
überlieferten Glaubensgut der Apostel dazugehört. Denn, um den Glauben an den
dreifaltigen Gott den Zeitgenossen „plausibel“ zu machen, lehrte Arius, dass
der Sohn Gottes das erste Geschöpf (!) des Vaters wäre. Ein „Sohn“ könne ja dem
„Vater“ nicht ebenbürtig sein!
Seit jenem
Konzilsbeschluss beten wir Christen im (großen) Glaubensbekenntnis: „Wir
glauben an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem
Vater geboren vor aller Zeit (Anm: er ist
göttlich, ewig), Gott von Gott (Anm: so wie) Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt,
nicht geschaffen (Anm:. nicht ein Geschöpf, sondern) eines
Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen.“
In
vielem ähnelt dieser antike Konzilsbischof dem sel. Papst Johannes XXIII., der
die erste Konzilsperiode des 2. Vatikan. Konzils 1962 einberufen und daran
teilgenommen hatte. Auch Bischof Nikolaus war ein stark volksverbundener
Seelsorger wie Papst Johannes XXIII., der schon heute in den Herzen der
Menschen liebevoll verehrt wird.
Heute,
nach ca. 1700 Jahren, haben viele Episoden aus dem Leben des Heiligen Bischofs
Nikolaus durch das häufige Erzählen, besonders Kindern gegenüber, märchenhafte
Züge bekommen. Aber es bleibt, dass durch die Erinnerung Erwachsener an ihn viele historische Ereignisse seiner gelebten Gottes-
und Nächstenliebe im Erzählgut weiterleben. Vor
allem aber leben sie durch die wiederholten Erzählungen in den Herzen der
Kinder weiter.
Und
so übt das liturgische Gedenken des um 354
verstorbenen Bischofs am 6. Dezember sowohl in der Ostkirche, wie auch später
bei uns in der Westkirche eine besondere Anziehungskraft aus. Die
entgegenkommende Liebe des antiken Bischofs in der Abhilfe der Not der Menschen
hat zeitlose Bedeutung für Jung und Alt bekommen. Und es stimmt schon, was das
christliche (!) Brauchtum „lehrt“: dass seit der Erlösung durch Jesus Christus und
die Gottes-und Nächstenliebe seiner Jünger der Widersacher besiegt ist, und er
nur mehr als „Krampus“ dem Heiligen (Nikolaus) dienen muss. Er hat nur mehr die
Aufgabe, dessen schweren Sack mit den Gaben für die „Braven“ zu tragen und ist angekettet,
und er kann nicht mehr tun und lassen, was er will. Selbst die „Schlimmen“ mit
seiner Rute strafen kann er nicht, wenn es ihm der väterliche Heilige, der.unwillkürlich.den.himmlischen.Vater.symbolisiert,.nicht.erlaubt.
Wie
anders ist es da um das heidnische Brauchtum zu allen Zeiten bestellt, das mehr
den Anlass zu allerlei Ausgelassenheit bietet, Kinder und Mädchen in Schrecken
versetzt und gelegentlich die zivilen Ordnungskräfte auf den Plan ruft.
Es
dient nicht der Pflege des gewachsenen Brauchtums, wenn man den (Hl.) Nikolaus als
Reklamefigur missbraucht und den „Krampus“ auf eine Ebene
stellt mit dem von traditionellen Vereinen gepflegten „Perchtenlauf“
(symbolisierte Darstellung des Ablaufes der Jahreszeiten seit den Tagen der
Vorfahren; mit kunstvoll bereiteter Ausrüstung).
Der „Krampustrubel“ der heutigen Zeit ist eigentlich kein
Brauchtum, sondern hier billigt man es, dass sich Burschen ohne tiefere
Vorbereitung als (von den Ketten des Nikolaus) ent„fessel“te
Teufelsgestalten in rauer Kraft anonym (d.h. verkleidet und manches Mal durch
starke Getränke enthemmt) austoben und sogar Erwachsene nicht nur schrecken,
sondern auch verletzen, sodass es hier oft nicht ohne Einsatz von Ordnungshütern
abgeht.
Es
gibt tatsächlich manches Interessante und Klärende zu entdecken, wenn man das
christliche Brauchtum aufarbeitet aber auch, wie sich hinter manchen modischen
Brauchtumsimitationen – touristisch verbrämt – Verfallserscheinungen nur schwer
verbergen können.
Mit freundlicher Erlaubnis des
Verfassers auf www.stjosef.at publiziert am
03.12.2011.