„Liturgische
Neu-Evangelisierung“
Kommentar von P. Robert Bösner OSB
zu
einem Beitrag von Weihbischof Dr. Andreas Laun, Salzburg, in “Kirche heute” 12/2005
Endlich nimmt sich ein
Mitglied der österreichischen Bischofskonferenz für unseren österreichischen Bereich
jenes Anliegens an, das der ganzen katholischen Kirche mit der Feier des „Jahres
der Eucharistie überantwortet worden ist – gleichsam wie ein Testament, eine
letztwillige Verfügung, des verstorbenen Papstes Johannes Paul II.
Bei der Befassung mit diesem
Anliegen geht es nicht um liturgische „Rechthaberei“ oder stramme Fleißaufgabe
für Eiferer. Es geht auch nicht in erster Linie darum, dass ein ausgebildeter
Moraltheologe, der lange Jahre an der theologischen Hochschule Heiligenkreuz
Moraltheologie dozierte, sich jetzt auf einmal um liturgische Fragen annimmt,
für die er außer des allgemeinen Glaubensverständnisses voraussichtlich keine
professionelle Kompetenz hat.
Vielmehr thematisiert (siehe http://kath.net/detail.php?id=12437)
Exz. Weihbischof Dr. Andreas Laun, Salzburg,
als Bischof (!) für den Bereich der Mitglieder der Österreichischen
Bischofskonferenz (!) - offenbar als eigenverantwortlichen Beitrag - jenen Impuls,
den die Gottesdienstkongregation allen jenen, “die es angeht“, vor ungefähr zwei
Jahren, genau genommen am 25. März 2004 - im Auftrag des damals regierenden
Papstes - gegeben hat. Sie hat dies mittels der Instruktion: „Redemptionis sacramentum“
getan. In ihrem Untertitel heißt es, dass sie "über einige Dinge bezüglich
der heiligsten Eucharistie, die einzuhalten und zu vermeiden sind",
handelt. Zu den darin enthaltenen normativen „Regelungen“ heißt es (n.14): „
die Regelung der heiligen Liturgie hängt einzig von der Autorität der Kirche
ab; und zwar liegt diese beim Apostolischen Stuhl und nach Maßgabe des Rechts
beim (Anm: einzelnen) Bischof»
(Anmerkungen im Text: Sacrosanctum Concilium, Nr. 22 § 1; vgl. Codex Iuris Canonici, can. 838 § 1.)
Es geht mit diesem Vorhaben für
den ganzen Bereich der apostolischen Glaubensgemeinschaft der Kirche um ein
Anliegen, das man mit einem Dichterwort folgenderweise umschreiben könnte: „Was
du ererbt von deinen (Anm: Glaubens-)Vätern, erwirb
es, um es zu besitzen.“
Wenn der Leser die in dem
sechsseitigen Artikel von Exz. Weihbischof Dr.
Andreas Laun, Salzburg, akribisch aufgelisteten - meistens „gut gemeinten“
Abweichungen, aber manches Mal auch unverstandenen Missbräuche - beachtet, dann
wird er bald merken, wie vielfältig sich die beabsichtigte Aufgabe stellt.
Für die ganze Kirche ist
manches ja schon normativ in jener Instruktion „Redemptionis
sacramentum“ behandelt. Aber für den jeweiligen
Ortsbischof und seine Berater kommen in seinem eigenen Zuständigkeitsbereich noch
besondere Herausforderungen dazu. Denn hinter den lokalen Änderungen, die von
den gesamtkirchlichen Weisungen abweichen, stehen jeweils Priester und
liturgische Arbeitskreise, Personen, die alle diese Einführungen gemeinsam (!)
und mit „guten Willen erarbeitet“ haben und die diesen „guten Willen“ wohl bei
den Auseinandersetzungen vorwurfsvoll in die Wagschale werfen werden. Wie viel
Porzellan ist da in der Gefahr, zerschlagen zu werden!
In Zusammenarbeit mit den
anderen Ortsbischöfen in der jeweiligen Bischofskonferenz und in Beratung mit den
jeweiligen Liturgischen Instituten wird es zu einem langwierigen Prozess bei
dieser „liturgischen Neu-Evangelisierung“ kommen. Hoffentlich wird dieser Prozess
möglichst unabhängig von den Bemühungen um eine Neuübersetzung der Texte des
Messbuches vor sich gehen, denn die „Allgemeine Einführung in das Messbuch“
liegt sowohl lateinisch als auch deutsch schon in der forma typica
vor und kann unabhängig von der Übersetzung der Messgebete verwirklicht werden.
„Betet Brüder und
Schwestern, dass das Werk der Bischöfe und die Annahme der Gläubigen Gott dem
allmächtigen Vater gefalle!“
„Der Herr nehme dieses
(Gemeinschafts-) Opfer an aus Deinen (bischöflichen) Händen, zum Lob und Ruhme
seines Namens, zum Segen für uns und seine ganze heilige Kirche!“
Veröffentlicht mit freundlicher
Erlaubnis des Verfassers auf www.stjosef.at